Pallottis Werk 2026 / 1

9 PALLOTTINER VOR ORT »Orientiert an der Renaissance« Eine Ordensfrau aus Aachen erinnert die Pallottiner in Limburg an Karl Baur, der ihre Kirche ausgestattet hat. Einmal im Jahr kommt Schwester Alberta Klostermann aus Aachen nach Limburg, um das Grab von Pater Wolfang Hering (1935 – 2013) zu besuchen. Einige Jahre arbeiteten die beiden in der damaligen Pallottiner-Pfarrei St. Michael in Solingen zusammen. Bei einem der ersten Besuche in Limburg kam man bei der Besichtigung der Pallottinerkirche St. Marien auf Karl Baur zu sprechen, der den Hochaltar und sämtliche Seitenaltäre der Kirche gestaltet hat. Die Clara-Fey-Schwester aus Aachen war freudig überrascht, dem Bildhauer in Limburg zu begegnen. Sie hatte ihn als Kind kennengelernt. Karl Baur war 1881 in München geboren worden und ist am 15. August 1968 dort gestorben. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in seiner Heimatstadt und arbeitete dann überwiegend im Bereich der christlichen Kunst, orientiert an der Renaissance, wie Fachleute sagen. Das erkennt man auch an der Pieta, die er 1933 für Limburg geschaffen hat. Sie orientiert sich neben Käthe Kollwitz vor allem an der Pieta Michelangelos in Mailand. Die Plastik war übrigens ein Jahr lang in den Vatikanischen Museen in einer Ausstellung zeitgenössischer christlicher Kunst zu sehen, ehe sie 1934 nach St. Marien kam. Neben der Limburger hat Baur auch die Freisinger Pallottinerkirche ausgestattet. Überwiegend im süddeutschen Raum hatte er einen guten Namen. So gibt es Werke von ihm auch in Augsburg, z.B. in St. Konrad im Bärenkeller, in Pfersee, in St. Anton und St. Thaddäus. Leider weiß niemand, wie die Baur-Krippe, die jährlich in der Pallotti-Kirche in Friedberg aufgestellt wird, dorthin kam. Werke von ihm gibt es auch in Kaiserslautern. Dort wurde Schwester Alberta geboren als Tochter des Architekten Paul Klostermann (1885 – 1974). Der bekam den Auftrag zum Bau einer Kirche in Frankenstein, dem Heimatort des damaligen Bischofs von Speyer, Ludwig Sebastian. Danach gab es weitere kirchliche Aufträge. In diesem Zusammenhang lernte er Karl Baur kennen und es entwickelte sich eine Freundschaft. »Professor Baur war oft bei uns zuhause«, erzählt Schwester Alberta und beschreibt ihn als freundlichen, bescheidenen Mann. Manchmal schenkte er ihrem Vater kleine Skulpturen, meist Modelle für Werke, die er in Auftrag hatte. Diese kamen nach dem Tod des Vates zu Schwester Alberta, die sie jüngst mit nach Limburg brachte. »Hier ist ein Ort, an dem man weiß, wer Karl Baur war; hier gehören sie hin!« Schwester Alberta Klostermann am Grab von Pater Wolfgang Hering. Franziskus und die Vögel. Entwurf für eine Skulptur. Seit 1934 in Limburg. Pieta von Karl Baur. Der Künstler hatte auch kommunale Aufträge; so schuf er in den 1950er Jahren einige Kriegerdenkmale, wie man damals sagte. Und er schuf Grabdenkmale, auch sein eigenes für den Winthirfriedhof in München-Neuhausen, wo er beigesetzt ist.

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