4 PALLOTTINER INTERNATIONAL »Wir werden bleiben!« Vor 75 Jahren kamen die ersten deutschen Pallottiner nach Indien. Aus bescheidenen Anfängen entstand eine blühende Gemeinschaft. Der Name Friedberg hat bei den Pallottinern in Indien einen guten Klang. Denn Friedberg bedeutet Herkunft und Hilfe. In der Wallfahrtskirche in Friedberg wurden am 12. April 1951 die ersten Pallottiner nach Indien ausgesandt. Am 17. Januar des gleichen Jahres hatte die Regierung dort ihre Einreise erlaubt. Die Patres Lorenz Scheu, Werner Hunold und Josef Strittmatter waren die Pioniere dieser Mission, die sehr schwierig und ärmlich im Gebiet der Stadt Raipur begann. Dort gab es durch eine frühere franziskanische Mission etwa 2500 Katholiken unter fünf Millionen Hindus und Animisten. Die mühsamen Anfänge wurden auch dadurch erschwert, dass die indische Einwanderungspolitik keine weiteren Priester aus Deutschland zuließ. Der damalige Nuntius sprach von einem »hoffnungslosen Beginn«, den man beenden solle. Doch Pater Scheu sagte: »Was immer geschieht, wir werden bleiben!« Not macht erfinderisch. Junge Pallottiner studierten in Indien und wurden dann dort geweiht. Manche Patres arbeiteten eine Zeitlang in Australien, erwarben die dortige Staatsbürgerschaft und konnten so als Mitglieder der Commonwealth-Familie nach Indien einreisen (siehe dazu den Beitrag von Pater Wolfgang Dutzi in der ersten Ausgabe von Pallottis Werk 2001). Zu dieser Gruppe gehörten auch die Patres Heinz Kieffer und Anton Nenzl. Gemeinsam mit den Patres Manfred Haug und den jetzt noch in Deutschland lebenden Robert Abele und Toni Kolb sind sie die Missionare, von denen indische Pallottiner immer noch viel erzählen. Überzeugende Vorbilder: junge Inder werden Pallottiner So etwa Pater Savio Vaz. 1966 in Goa geboren besuchte er Pallottinerschulen und wirkte nach seiner Priesterweihe 1995 als Präfekt in einem Studienhaus und als Kaplan in einer Pfarrei. Der Rektor der Hochschule in Vallendar, Pater Manfred Probst, warb während einer Indienreise für eine verstärkte Zusammenarbeit. So ging Pater Vaz 1999 nach Deutschland, erlernte in Rheinbach die neue Sprache, studierte Moraltheologie und wurde in Bonn promoviert und in Freiburg habilitiert. Seit 2010 ist er als Dozent bzw. als Professor in Vallendar tätig und wirkt zugleich in der Seelsorge der Groß-Pfarrei Montabaur. »Das macht mir viel Freude, unter den Leuten zu sein«, sagt er. Und er berichtet mit großer Hochachtung von Pater Heinz Kieffer, der seine Familie damals besucht hatte und ihm den Vorschlag machte, Pallottiner zu werden. Die deutschen Patres hätten durch ihre Bescheidenheit, ihren Fleiß, ihre Frömmigkeit und ihr soziales Engagement überzeugt. Diese Haltung habe mit zum Erfolg der Pallottiner in Indien beigetragen. Und natürlich auch die Volksfrömmigkeit in seiner Heimat und die kirchliche Bindung in den katholischen Familien. Obwohl er indischer Staatsbürger ist und Mitglied der Bangalore-Provinz, liebt er Deutschland als seine zweite Heimat. Er liebt die schönen Landschaften, die alten Klöster, die Flüsse; gerne ist er an der Mosel. Rassismus habe er nie erfahren; er habe mit den Menschen kein Problem. Europäer habe er ja schon als Kind erlebt, denn in Goa gebe es viele Touristen. »Ich mag Deutschland« sagt er und pflegt über die sozialen Medien den Kontakt in die Heimat, zur Familie und den Pallottinern seiner Generation. Im regen Austausch steht er auch mit den inzwischen acht indischen Pallottinern, die in Deutschland arbeiten. Denn heute ist die Lage umgekehrt: früher gingen Deutsche nach Indien, heute gehen Inder nach Deutschland. Denn in Indien gibt es inzwischen mehr als 500 Pallottiner. Professor für Moraltheologie in Vallendar: P. Savio Vaz SAC.
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